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Bayerische Alpen

Die Motorrad-Reviere in den Bayerischen Alpen

Jede Ecke fährt sich anders – hier steht, welche wie.

Die Bayerischen Alpen sind das Hausrevier für alle zwischen München und dem Gebirge: erst die Seen des Voralpenlands, dahinter die ersten Ketten von Karwendel und Mangfallgebirge, dazwischen ein gutes Dutzend Kurvenstraßen mit Kultstatus. Die Anfahrt ist kurz — deshalb sind Sudelfeld, Kesselberg und Tegernsee an schönen Wochenenden voll und werden streng kontrolliert. Wer die Seitentäler und die frühen Stunden nutzt, hat dieselben Kehren fast für sich. Was jede Ecke fahrerisch ausmacht, steht hier.

Sudelfeld & Tatzelwurm – der Klassiker-Rundkurs

Motorradgespann auf der Passstraße am Spitzingsattel vor Bergkulisse
Gespann am Spitzingsattel (1.128 m)

Die Sudelfeldstraße und die Tatzelwurmstraße bilden zusammen den bekanntesten Rundkurs der Region. Von Bayrischzell zieht die Sudelfeldstraße über die Passhöhe am gleichnamigen Skigebiet hinunter Richtung Oberaudorf und Inntal; als Gegenstück führt die Tatzelwurmstraße an den Tatzelwurm-Wasserfällen vorbei zurück ins Tal. Den Reiz macht der stete Wechsel aus mittelschnellen Kehren und langgezogenen Radien bei ordentlichem Gefälle aus — Stoff, der sich in beide Fahrtrichtungen lohnt. Genau deshalb ist hier an schönen Tagen viel Betrieb, und gemessen wird regelmäßig; früh dran sein spart Ärger und bringt freie Kurven.

Spitzingsee & Wendelstein – die steile Rampe

Motorräder auf der Passstraße mit Blick auf den Thiersee
Blick auf den Thiersee an der Straße über den Ursprungpass (836 m)

Über Schliersee klettert die Spitzingstraße in engen Serpentinen zum Spitzingsattel und weiter zum hochgelegenen Spitzingsee — eine der steilsten öffentlich befahrbaren Rampen im Mangfallgebirge, oben ein Bergkessel ohne Durchfahrt für den normalen Verkehr. Man kommt denselben Weg zurück, hat dafür aber einen kurzen, knackigen Anstieg mit dicht gestaffelten Kehren. Über allem steht der Wendelstein, mit Zahnradbahn und Seilbahn erschlossen und von fast jeder Strecke im Umkreis als Orientierungspunkt sichtbar.

Tegernsee & Schliersee – und der Sprung nach Tirol

Motorräder auf der Sudelfeldstraße zwischen bewaldeten Hängen
Unterwegs auf der Sudelfeldstraße (1.123 m)

Tegernsee und Schliersee sind die mondänen Ausflugsseen vor den Toren Münchens — schön anzusehen, an Sonntagen aber verstopft, mit Parksuchverkehr in den Uferorten. Fahrerisch ergiebiger ist die Fortsetzung nach Süden: Von Kreuth am Südende des Tegernsees führt die Straße über den Achenpass hinüber zum Achensee und damit ins Tiroler Nachbarrevier. Der Übergang ist niedrig, sanft gestuft und ganzjährig befahrbar — die bequemste Naht zwischen den bayerischen Seen und den österreichischen Bergen.

Kochelsee, Walchensee & Kesselberg

Türkisfarbene Isar mit Kiesbänken und Felsblöcken im oberen Isartal
Kiesbänke der oberen Isar

Der Kesselberg zwischen Kochelsee und Walchensee gehört zu den ältesten Kurven-Adressen Deutschlands — in den 1920er-Jahren Schauplatz gefeierter Bergrennen, heute ein enger, gut ausgebauter Anstieg, den die kurze Passstraße in dicht gereihten Kehren nimmt. Der Grund für die Steigung liegt in der Geografie: Der Walchensee liegt deutlich höher als der Kochelsee, ein Höhensprung, den seit über hundert Jahren auch das Walchenseekraftwerk zur Stromerzeugung nutzt. Oben wartet mit dem tiefblauen, von Bergen gerahmten Walchensee einer der schönsten Seen der Nördlichen Kalkalpen. Ein Hinweis für alle Uferseen hier: Vieles ist bebaut oder privat — man fährt am Wasser entlang, kann aber längst nicht überall anhalten.

Isarwinkel: Bad Tölz, Sylvensteinsee & das Rißtal

Von Bad Tölz zieht der Isarwinkel nach Süden ins Gebirge: über Lenggries die Isar aufwärts bis zum türkisblauen Sylvensteinstausee, dessen Straße auf Damm und Brücke über das Wasser gesetzt ist. Kurz davor, bei Vorderriß, zweigt eine der eindrucksvollsten Sackgassen der Alpen ab: das Rißtal hinauf nach Hinterriß und weiter in die Eng. Hinterriß und die Eng gehören bereits zu Tirol, sind aber nur von bayerischer Seite erreichbar; der letzte Abschnitt von Hinterriß in die Eng ist mautpflichtig und im Winter gesperrt — Gebühr und Öffnungszeiten vor der Anfahrt prüfen. Am Ende steht der Große Ahornboden, eine weite Hochfläche mit Hunderten uralter Bergahorne unter den senkrechten Wänden des Karwendels. Gefahren wird hin und zurück; die Kulisse rechtfertigt den Umweg.

Werdenfels & Garmisch – unter der Zugspitze

Rund um Garmisch-Partenkirchen liegt das Werdenfelser Land, überragt von der Zugspitze (2962 m), Deutschlands höchstem Berg. Das ist die hochalpine, westliche Seite des Reviers — weniger Passjagd, mehr Panorama und breite Talstraßen. Nördlich davon steigen die Ammergauer Alpen mit ihren Klöstern und Königsschlössern auf: Über den steilen Ettaler Sattel auf der Straße von Oberau nach Ettal erreicht man Kloster Ettal, Oberammergau und im Seitental Schloss Linderhof. Der Ettaler Sattel ist kurz, aber giftig gestuft — im Winter eine bekannte Schlüsselstelle, im Sommer eine saubere Auffahrt in die Ammergauer Bergwelt.

Chiemgau: Reit im Winkl & Masererpass

Im Osten, schon im Chiemgau, liegt Reit im Winkl, einer der schneereichsten Orte Deutschlands und im Sommer Ausgangspunkt für kurvige Grenzstrecken. Der Masererpass führt von hier nach Waidring ins Tiroler Pillerseetal — ein niedriger, flüssig zu fahrender Übergang, der sich gut mit den Pässen jenseits der Grenze zu einer Runde fädeln lässt. Nördlich schließen die breiteren, schnelleren Voralpenstraßen um Ruhpolding und den Chiemsee an, mit weiten Blicken zurück aufs Gebirge.

Deutsche Alpenstraße – der rote Faden, und die Nachbarn

Wer eine Leitlinie durch all das sucht, nimmt die Deutsche Alpenstraße, eine der ältesten Ferienstraßen Deutschlands: Sie läuft vom Bodensee bis nach Berchtesgaden am Alpenrand entlang und reiht die lohnenden Abschnitte auf — Sudelfeld, Kesselberg, Achenpass und mehr. Sie ist keine durchgehende Bergstraße, sondern ein roter Faden, der zuverlässig zu Kehren und Aussichten führt; für den ersten Besuch der Region die einfachste Wahl. An den Rändern schließen die Nachbarreviere an, jedes mit eigener Seite: das Allgäu im Westen, Berchtesgaden im Osten und Tirol im Süden — nur ein paar Pässe entfernt und schnell in dieselbe Tagestour eingebaut.

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