Sehenswürdigkeiten, Sagen & Kultur – die Stopps, die eine Tour erst rund machen.
Sehenswert
Sehenswürdigkeiten in den Bayerischen Alpen: Königsschlösser, Seen und Höhenstraßen
Kaum eine Region verbindet Fahrgenuss und Kulturkulisse so dicht wie Oberbayern. Wahrzeichen schlechthin sind die Königsschlösser König Ludwigs II., die seit 2025 zum UNESCO-Welterbe zählen. Schloss Neuschwanstein oberhalb von Hohenschwangau bei Füssen (Gemeinde Schwangau) ist sein berühmtestes Werk – Grundsteinlegung 1869, Bauzeit bis 1892 im Stil der Neuromanik. Die direkte Zufahrt zum Schloss ist gesperrt; Motorräder parken im Dorf Hohenschwangau (Plätze P2 und P3, rund 5 € pro Tag), von dort sind es zu Fuß etwa 30 bis 40 Minuten bergauf. Die Besichtigung erfolgt nur mit Führung.
Gespann am Spitzingsattel (1.128 m)
Schloss Linderhof im abgelegenen Graswangtal bei Ettal ist die einzige vollendete Residenz Ludwigs II. – eine königliche Villa als Hommage an das Frankreich des 18. Jahrhunderts, umgeben von formalem Garten und englischem Landschaftspark (Bauzeit bis 1886). Es liegt am Ende einer reizvollen Stichstraße von Ettal aus, ein lohnender Abstecher mit ausreichend Parkfläche. Schloss Herrenchiemsee auf der Herreninsel im Chiemsee – ein neobarocker Versailles-Nachbau (Bauzeit ab 1878, bei Ludwigs Tod 1886 unvollendet) – ist nur per Schiff erreichbar; das Motorrad bleibt am Festland (Prien/Stock), die Überfahrt erledigt ein Liniendampfer.
Hochgebirgskulisse pur bietet die Zugspitze: mit 2.962 Metern der höchste Berg Deutschlands. Wer hinauf will, lässt das Motorrad am Eibsee bei Grainau oder in Garmisch-Partenkirchen und nimmt die Zahnradbahn (seit 1930, rund 75 Minuten) oder die 2017 eröffnete Eibsee-Seilbahn, die in etwa zehn Minuten eine Höhendifferenz von 1.945 Metern überwindet. Oben reicht der Blick bei klarer Sicht über rund 400 Gipfel in vier Ländern. Garmisch-Partenkirchen selbst ist ein guter Standort für die ganze Region: Die beiden früher eigenständigen Marktgemeinden wurden 1935 zusammengelegt und sind heute zentraler Ausgangspunkt für Touren ins Werdenfelser Land, ins Loisachtal und über die Pässe nach Süden.
Im Herzen der Region locken die Alpenseen mit kurzen Wegen ans Ufer. Die Kesselbergstraße verbindet den höher gelegenen Walchensee (801 m) mit dem Kochelsee (600 m) – Parkflächen liegen an beiden Seen, der Walchensee-Nordufer-Parkplatz ist ein klassischer Treffpunkt. Der Tegernsee (726 m, bis 72,6 m tief) im Landkreis Miesbach gilt als einer der saubersten Seen Bayerns; rund um den See finden sich zahlreiche Stellplätze und Cafés. Der Königssee bei Berchtesgaden, fjordartig zwischen die Felswände des Watzmanns eingebettet und bis 192 m tief, wird seit 1909 von lautlosen Elektrobooten befahren – eine frühe Umweltschutzmaßnahme. Ziel ist die 1697 erbaute Wallfahrtskirche St. Bartholomä; Motorräder parken am Seeufer in Schönau.
Blick auf den Thiersee an der Straße über den Ursprungpass (836 m)
Lohnend ist auch der Abstecher zum Walchenseekraftwerk zwischen den beiden Seen: Das 1918 bis 1924 erbaute Hochdruck-Speicherkraftwerk nutzt den natürlichen Höhenunterschied von rund 200 Metern und gehört zu den ältesten seiner Art in Deutschland; die sechs langen Druckrohrleitungen sind schon von der Straße aus gut sichtbar. Ebenfalls fahrerisch reizvoll ist die Anfahrt über die Jochstraße am Oberjoch bei Bad Hindelang am westlichen Rand der Region – die kurvenreichste Straße Deutschlands mit rund 106 Kehren bietet an mehreren Stellen Halteplätze mit Talblick.
Lohnende Stopps sind das Kloster Ettal (Benediktinerabtei mit markanter Rokoko-Kuppelkirche) direkt an der Strecke zwischen Garmisch und Oberammergau und der Wallberg (1.722 m) am Tegernsee. Auf den Wallberg führt die mautpflichtige Wallberg-Panoramastraße von Rottach-Egern bis auf rund 1.117 Meter, wo ein großer Parkplatz und der Einstieg zur Seilbahn warten (Maut rund 4 bis 5 € pro Fahrzeug). Die bekannteste Höhenstraße der Region ist die Rossfeldpanoramastraße bei Berchtesgaden – Deutschlands höchstgelegene Panoramastraße, 15,4 km lang, ganzjährig befahrbar (Maut Stand 2026: Motorrad 6 €, Pkw 9,50 €). Oben liegen großzügige Parkflächen mit Blick auf Hochkönig und Untersberg.
Kultur & Sagen
Watzmann, Walchensee und der Märchenkönig: Sagen aus den Bayerischen Alpen
Die Berge Oberbayerns sind dicht von Geschichten umrankt – wer langsam fährt, hat Zeit, sie zu hören. Die bekannteste ist die Watzmann-Sage. Der Sage nach soll der grausame König Watze mit seiner Familie das Land mit harter Hand beherrscht haben. Bei einer wilden Jagd riss einer seiner Hunde ein Kind in den Tod, und der herzlose Herrscher fand daran noch Gefallen. Da, so erzählt man, griffen die himmlischen Mächte ein und ließen den König samt Frau und Kindern zu Stein erstarren. Bis heute gelten die Gipfel des Massivs als Familie: der Watzmann selbst mit 2.713 Metern, die kleinere Watzmannfrau mit 2.307 Metern und die dazwischenliegenden Watzmannkinder. Der Sage nach soll aus dem vergossenen Blut der Königssee entstanden sein.
Auch der Walchensee trägt seine Geheimnisse. Der Sage nach soll in seiner Tiefe ein Untier gehaust haben, das die Bewohner mit Opfergaben besänftigen wollten; einer Überlieferung zufolge ließ die Münchner Obrigkeit Jahr für Jahr einen geweihten goldenen Ring in den See werfen, um das Wesen zu beruhigen. Der bis zu rund 190 Meter tiefe See nährt bis heute Geschichten – darunter das hartnäckige, nie belegte Gerücht von einem im Chaos des Frühjahrs 1945 versenkten Schatz. Schatzsucher haben den See immer wieder abgesucht, ohne je etwas Greifbares zu finden.
Über allem schwebt schließlich die reale, doch fast schon legendenhafte Gestalt des Märchenkönigs Ludwig II., dessen Schlösser die Region prägen. Sein rätselhafter Tod im Jahr 1886 im Starnberger See – kurz nach seiner Entmündigung – ist bis heute nicht restlos geklärt und hat eine ganze Welt von Erzählungen, Theorien und Verklärungen hervorgebracht. Für viele Besucher verschmelzen seine Bauwerke und sein Schicksal zu einem einzigen Mythos, der über den oberbayerischen Bergen liegt.
Sehenswert
Königsschlösser, Klöster & Geschichte: lohnende Stopps für Regentage
Wenn Föhnsturm oder Gewitterfront die Kurven nass und gefährlich machen, hat die Region reichlich überdachte Alternativen. An erster Stelle stehen wieder die Schlösser Ludwigs II. Eine Führung durch Neuschwanstein, Linderhof oder Herrenchiemsee lässt sich problemlos zu einem Halbtagesprogramm ausbauen – seit 2025 sind sie UNESCO-Welterbe, entsprechend voll wird es in der Hauptsaison; die Tickets sind zeitgebunden.
Sakrale Geschichte bietet das Kloster Ettal, eine Benediktinerabtei, gegründet 1330 durch Kaiser Ludwig den Bayern, mit einer 1752 vollendeten Rokoko-Klosterkirche und einer 52 Meter hohen Kuppel. Die klostereigene Destillerie ist für ihre Ettaler Klosterliköre bekannt, dazu gehören Brauerei und Gasthöfe – ein perfekter trockener Stopp samt Einkehr. Eines der ältesten Klöster Bayerns ist das Kloster Benediktbeuern nahe dem Kochelsee, dessen Gründung auf das Jahr 739 zurückgeht; heute wird es von den Salesianern Don Boscos betrieben.
Ein historisch schwergewichtiges Ziel liegt am Obersalzberg bei Berchtesgaden. Das Kehlsteinhaus auf 1.834 Metern wurde 1937/38 in nur rund 13 Monaten als NS-Repräsentationsbau errichtet. Wichtig für Motorradfahrer: Die Kehlsteinstraße ist für Privatfahrzeuge und Motorräder gesperrt – hinauf geht es ausschließlich mit den Spezialbussen der Kehlsteinlinie ab dem Parkplatz Obersalzberg, die letzten Höhenmeter mit einem Aufzug im Berg. Der Betrieb ist saisonal (Sommer), im Winter ist das Haus geschlossen. Direkt am Obersalzberg vermittelt die Dokumentation Obersalzberg die Geschichte des Ortes als NS-Lern- und Erinnerungsort. Die wissenschaftliche Leitung liegt beim Institut für Zeitgeschichte im Auftrag des Freistaats Bayern; nach einem in den Berg gebauten Erweiterungsbau wurde 2023 die neue Dauerausstellung „Idyll und Verbrechen" eröffnet. Diese Stopps sind keine Kulisse, sondern ein ernster, sehenswerter Kontrapunkt zur Postkartenidylle der Region.
Auch die großen Naturziele funktionieren bei Regen, weil der Weg dorthin überdacht oder geführt verläuft: Die Königssee-Schifffahrt fährt bei nahezu jedem Wetter, die Elektroboote sind geschlossen, und St. Bartholomä wirkt im Nebel fast eindrucksvoller als in der Sonne. Zugspitzbahn und Eibsee-Seilbahn bringen einen auch dann nach oben, wenn das Tal verhangen ist – mit etwas Glück steht man oberhalb der Wolkendecke. Wer es bodenständiger mag, findet in den Talorten kleine Heimat- und Brauchtumsmuseen sowie die Klosterläden von Ettal und Benediktbeuern.
Sehenswert
Naturstopps zwischen Nationalpark, Eibsee und Almgasthöfen
Den Kern der Landschaft schützt der Nationalpark Berchtesgaden, gegründet 1978 und der einzige deutsche Nationalpark in den Alpen. Auf rund 210 Quadratkilometern reicht er vom Wasserspiegel des Königssees auf 603 Metern bis zum Watzmanngipfel; seit 1990 ist er von der UNESCO als Biosphärenreservat ausgewiesen. Wer hier hält, sollte sich an die Schutzregeln halten – Lärm, abseitiges Parken und offenes Feuer sind tabu.
Auch außerhalb des Nationalparks ist die Seenlandschaft ein Magnet. Der Eibsee am Fuß der Zugspitze, rund zehn Kilometer südwestlich von Garmisch-Partenkirchen, beeindruckt mit smaragdgrünem, klarem Wasser und kleinen Inseln; seine heutige Form entstand der Forschung nach durch einen Bergsturz vor rund 3.500 Jahren. Badebuchten an Walchensee, Kochelsee, Tegernsee und Eibsee sind zusätzliche Pausenplätze, und für die Rast unterwegs bieten sich die bewirtschafteten Almen und Berggasthöfe an – kurze Wege, regionale Brotzeit und meist ein Stellplatz in Sichtweite.
Wer die Region von West nach Ost durchquert, erlebt eine erstaunliche Bandbreite: weite Voralpenseen und Moore im Norden, schroffe Kalkmassive im Süden, sanfte Almböden auf den Mittelgebirgshöhen. Der Watzmann überragt das Berchtesgadener Land und rückt von vielen Aussichtspunkten ins Bild – etwa von der Rossfeldhöhe oder vom Königssee-Ufer aus. Wichtig bleibt überall die Rücksicht: In den Schutzgebieten und an den Seen ist wildes Parken, Lärm und das Befahren von Wirtschaftswegen nicht erlaubt, und gerade an den überlaufenen Hotspots entscheidet das Verhalten der Motorradfahrer mit darüber, ob Strecken offen bleiben oder neue Sperren folgen.
Die Alpenstraße als Längsachse: eine Route aus lauter fremden Straßen
Die Deutsche Alpenstraße ist keine eigene Fahrbahn, sondern eine Beschilderung, die über bestehende Bundes- und Staatsstraßen gelegt wurde. Wer ihr von West nach Ost folgt, fährt also nie auf einer eigens gebauten Panoramatrasse, sondern auf dem, was ohnehin da war: Ortsdurchfahrten, Talstraßen, ein paar hoch gelegene Teilstücke. Der historische Plan einer durchgehenden Höhenstraße knapp unterhalb der Gipfelregion wurde nie vollständig umgesetzt — verwirklicht wurden nur einzelne Abschnitte, der Rest fädelt sich über normale Landstraßen zusammen.
Der Grund dafür liegt in der Geografie. Die Täler der Bayerischen Alpen verlaufen fast alle in Nord-Süd-Richtung, weil Loisach, Isar, Mangfall, Inn, Traun und Saalach nach Norden ins Vorland entwässern. Eine Route quer dazu muss deshalb entweder Riegel für Riegel über die Sättel klettern oder nach Norden ausweichen, wo das Gelände offener wird. Genau das tut die Alpenstraße: Sie wechselt ständig zwischen Bergabschnitt und Vorlandbogen. Zwischen dem Werdenfelser Land und dem Inntal etwa holt sie weit nach Norden aus, weil dazwischen kein durchgehender Talzug nach Osten existiert.
Für die Tourenplanung heißt das: Die Alpenstraße taugt als Leitlinie und als roter Faden für eine Mehrtagesfahrt, aber sie ist nicht das eigentliche Fahrziel. Die fahrerisch dichten Kilometer hängen als Querverbindungen an ihr — die Anstiege aus den Tälern hinauf zu den Sätteln und die Stichstraßen, die vom Alpenrand nach Süden ins Gebirge greifen. Wer stur der Beschilderung folgt, sammelt zwangsläufig auch viele Ortsdurchfahrten mit Tempo 30 und Wohnmobilkolonnen ein.
Drei Teilräume, drei Handschriften
Zwischen Loisach und Saalach ändert sich der Streckencharakter mehrfach grundlegend. Wer die Unterschiede kennt, plant die Tage passend zum Wetter, zur Maschine und zur eigenen Kondition.
Werdenfelser Land: Transitachse mit engen Nebenwegen
Um Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald bestimmt der Talboden der Loisach das Bild. Die Hauptachse Richtung Tirol ist eine ausgebaute, breite Bundesstraße mit spürbarem Schwerverkehrsanteil — Transit nach Seefeld und ins Inntal. Fahrerisch interessant wird es links und rechts davon: die Auffahrt über den Ettaler Berg ins Ammergau, die schmalen Verbindungen über die Hochflächen bei Klais und Elmau, die kurze Stichstraße zum Eibsee. Der Kontrast ist hier besonders hart, weil die Wettersteinwände unmittelbar über dem Tal aufragen, die Straßen aber überwiegend im Talboden bleiben. Wer Kehren sucht, findet sie im Werdenfels seltener als im Osten der Region.
Tegernsee und Schliersee: das dichteste Netz auf kleinstem Raum
Im Mangfallgebirge liegen die Anstiege so eng beieinander, dass sich mehrere in einem Vormittag aneinanderreihen lassen. Die Strecken sind kurz, steil und schmal, oft mit begrenzter Sicht über die Kuppen. Vom Schliersee führt die Rampe zum Spitzingsattel in enger Kehrenfolge auf die Hochfläche mit dem See; dahinter zieht eine deutlich schmalere Straße ins Valepptal hinunter, die kein zügiges Fahren zulässt. Zugleich ist dieses Gebiet das nächstgelegene Bergrevier für den Großraum München — die Kombination aus enger Trassierung, hoher Frequenz und dichter Wohnbebauung an den Talstraßen erklärt, warum ausgerechnet hier die Regulierungsdichte am höchsten ist.
Chiemgau: längere Bögen, weniger Höhenmeter
Östlich des Inntals wird der Gebirgsrand breiter, die Berge treten zurück, und dazwischen liegen weite, bewaldete Becken. Zwischen Reit im Winkl, Ruhpolding und Inzell fährt man deshalb lange, gleichmäßige Kurvenfolgen statt kurzer Rampen — mehr Fahrfluss, weniger Arbeit am Lenker, dafür auch weniger Aussicht. Der Chiemgau ist der Teilraum für Tage mit unsicherer Wetterlage: Die Strecken liegen tiefer, trocknen schneller ab und lassen sich ohne Passsperren-Risiko fahren. Wer aus dem Mangfallgebirge kommt, sollte die veränderte Charakteristik einkalkulieren — hier verleitet die gute Übersicht schneller zu hohen Geschwindigkeiten als in den engen Sätteln weiter westlich.
Ammergauer Alpen: Schlossverkehr, Schluchtquerung und ein stiller Übergang nach Tirol
Das Ammergau nimmt eine Sonderstellung ein, weil sich hier zwei Verkehrsströme überlagern, die wenig miteinander zu tun haben. Der eine ist der Motorradverkehr über den Ettaler Berg und weiter nach Norden; der andere ist der Zielverkehr zu den Bauten Ludwigs II. Beide treffen sich in Oberammergau, Ettal und im Graswangtal. Rund um Schwangau am westlichen Rand des Gebirges ist die Lage im Sommer noch ausgeprägter: Reisebusse, Parkplatzsuchverkehr und Fußgänger auf schmalen Fahrbahnrändern prägen dort das Bild stärker als jede Kurvenqualität.
Das Graswangtal selbst ist die ruhigste Verbindung der Gegend. Die Straße führt von Ettal an Linderhof vorbei taleinwärts, steigt zum Ammersattel an und fällt jenseits der Grenze zum Plansee ab — eine schmale, wenig befahrene Strecke, die aus dem Ammergau direkt in den Tiroler Außerfern-Raum führt. Wer den Schlossverkehr hinter sich lässt, hat auf dem hinteren Teil oft freie Bahn.
Nach Norden hin quert die Hauptverbindung des Ammergaus die Ammerschlucht auf der Echelsbacher Brücke, einer weit gespannten Bogenbrücke aus dem Jahr 1929. Der Übergang ist ein guter Orientierungspunkt: Südlich davon beginnt das Gebirge, nördlich davon liegen die Moor- und Hügelflächen des Pfaffenwinkels. Für Rückwege bei aufziehendem Wetter ist diese Nordroute deutlich verlässlicher als jede Passquerung.
Mautwege und Stichstraßen: wenn die Fahrbahn am Berg endet
Ein großer Teil des Streckennetzes führt nicht über das Gebirge, sondern nur hinein. Diese Stichstraßen enden an einer Alm, einem Parkplatz oder einer Talstation und zwingen zur Rückfahrt auf derselben Trasse. Fahrerisch ist das kein Nachteil — die Auffahrten sind meist die steilsten und kurvenreichsten Abschnitte überhaupt —, planerisch schon: Jeder Abstecher kostet die doppelte Zeit, und die Rückfahrt trifft auf den Gegenverkehr, der inzwischen bergauf unterwegs ist.
Typische Vertreter sind die Auffahrt zum Wallberg über dem Tegernsee, die mautpflichtig ist und an einem Parkplatz unterhalb des Gipfels endet, und die ebenfalls mautpflichtige Zufahrt zur Winklmoosalm im Chiemgau. Hinzu kommen zahlreiche Talschlussstraßen ohne Maut, die schlicht dort aufhören, wo das Gelände zu steil wird. Für solche Wege gilt durchgehend:
Fahrbahnbreite prüfen, nicht die Karte: Viele Auffahrten sind für Begegnungsverkehr mit Bussen und Lieferfahrzeugen zu schmal — Ausweichbuchten liegen oft weit auseinander.
Zeitliche Sperren beachten: Almzufahrten und Panoramastraßen haben Schranken, Betriebszeiten und saisonale Sperren; die Beschilderung vor Ort ist maßgeblich.
Wirtschaftswege sind tabu: Forst- und Almstraßen sind für den öffentlichen Verkehr gesperrt, auch wenn sie asphaltiert wirken.
Rückweg einplanen: Bergab in derselben Kehrenfolge, bei kalten Bremsen und mit Fußgängern am Fahrbahnrand — die Abfahrt ist der anspruchsvollere Teil.
Das Rißtal: deutscher Zugang zu einem österreichischen Talschluss
Zwischen Isarwinkel und Karwendel liegt eine der eigenwilligsten Strecken der gesamten Region. Von Wallgau aus führt eine mautpflichtige Straße entlang der oberen Isar nach Vorderriß; von dort zweigt das Rißtal nach Süden ab. Wenige Kilometer hinter Vorderriß verläuft die Staatsgrenze, doch der Ort Hinterriß und der gesamte Talschluss sind auf der Straße ausschließlich von bayerischer Seite erreichbar — eine österreichische Enklave im Verkehrssinn, ohne durchgehende Anbindung an das Tiroler Straßennetz. Am Ende des Tals steht der Große Ahornboden in der Eng, erreichbar über eine weitere, gebührenpflichtige Bergstraße, die im Winter geschlossen ist.
Für Motorradfahrer ist das eine Sackgasse von erheblicher Länge, aber mit ungewöhnlichem Charakter: kaum Durchgangsverkehr, weil niemand hier zufällig durchkommt, dafür Ausflugs- und Busverkehr in den Sommermonaten und ein Fahrbahnbelag, der abschnittsweise deutlich rauer ist als auf den Bundesstraßen. Wer die Runde plant, kalkuliert die Rückfahrt bis Wallgau oder den Anschluss über den Sylvensteinspeicher Richtung Achenpass ein — anders kommt man aus dem Tal nicht heraus. Der Abschnitt eignet sich gut als ruhiger Gegenpol zu einem Tag im überlaufenen Mangfallgebirge.
Wochenendverkehr an den Seen und was das für die Zeitplanung bedeutet
Walchensee, Kochelsee, Tegernsee, Schliersee, Eibsee und Chiemsee sind die Hauptziele des Münchner Ausflugsverkehrs — und sie liegen fast alle direkt an den Strecken, die auch Motorradfahrer nutzen wollen. Das Ergebnis an schönen Wochenenden ist berechenbar: Ab dem späten Vormittag füllen sich die Zufahrten, der Parksuchverkehr blockiert die Uferstraßen, an den Engstellen stehen Fahrzeuge halb auf der Fahrbahn, und Fußgänger queren zwischen den Reihen. An mehreren Seen wurden deshalb Halteverbote ausgeweitet und Parkflächen bewirtschaftet; kontrolliert wird regelmäßig.
Fahrerisch entstehen daraus drei konkrete Probleme: unberechenbar bremsende Fahrzeuge auf der Suche nach einer Lücke, öffnende Türen am Fahrbahnrand und Radfahrergruppen auf den Anstiegen. Dazu kommt am Sonntagnachmittag der geballte Rückreiseverkehr in Richtung Norden, der die Talausgänge und die Autobahnzubringer verstopft.
Die praktischen Konsequenzen sind einfach. Früh starten und die stark frequentierten Uferabschnitte vor dem späten Vormittag hinter sich bringen. Die Fahrtrichtung gegen den Ausflugsstrom legen — morgens hinaus, mittags weiter innen im Gebirge, abends zurück. Werktage nutzen, wo es geht; die Unterschiede zwischen Dienstag und Samstag sind auf denselben Strecken drastisch. Und Pausen nicht an den bekannten Uferparkplätzen einplanen, sondern in den Seitentälern, wo weder Parkplatznot noch Kontrolldruck herrschen.
Landschafts-Highlights, die du mit dem Motorrad erreichst
Rossfeldpanoramastraße
Deutschlands höchste durchgehende Straße läuft als Ringstrecke über den Kamm des Obersalzbergs — ein reiner Aussichts-Rundkurs mit Blick auf Watzmann, Hohen Göll und bis nach Salzburg. Die enge Regerkurve ist die bekannteste Ecke.
Anfahrt
Ab Berchtesgaden über den Obersalzberg; Mautstraße (Motorrad rund 6 Euro).
Motorrad-Parken
Mehrere Aussichtsparkplätze direkt an der Ringstraße; Motorradstellplätze oben am Scheitel.
Öffnungszeiten
Ganzjährig befahrbar (Mautstraße).
Höhe/Aussicht
Höchster Punkt 1570 m — höchste durchgehende Straße Deutschlands, teils auf österreichischem Boden.
Walchensee
Türkisgrüner Bergsee und einer der tiefsten Alpenseen Deutschlands (rund 190 m). Der Foto-Stopp an der Kesselbergstraße gehört zu den markantesten Wasserflächen der Region.
Anfahrt
An der B11 (Kesselbergstraße) zwischen Kochelsee und Walchensee; Ortsteil Urfeld am Nordufer.
Motorrad-Parken
Parkplätze in Urfeld und am Seeufer (in der Saison meist kostenpflichtig).
Öffnungszeiten
Frei zugänglich.
Höhe/Aussicht
Seespiegel rund 800 m; Herzogstandbahn ab Walchensee hinauf zum Herzogstand-Kamm.
Schloss Neuschwanstein
Ludwigs II. Märchenschloss über Hohenschwangau, seit 2025 UNESCO-Welterbe. Die klassische Foto-Perspektive gibt es kostenlos von der Marienbrücke über der Pöllatschlucht.
Anfahrt
Bei Schwangau nahe Füssen am westlichen Alpenrand; ab dem Tal in Hohenschwangau zu Fuß bergauf (rund 30 Minuten) oder mit Shuttlebus/Pferdekutsche.
Motorrad-Parken
Kostenpflichtige Besucherparkplätze in Hohenschwangau (kein Parken direkt am Schloss).
Öffnungszeiten
Innenbesichtigung nur mit gebuchter Führung/Zeitticket über das Ticket-Center Hohenschwangau bzw. hohenschwangau.de (Buchungsgebühr 2,50 Euro); Außenansicht und Marienbrücke frei zugänglich.
Sylvensteinsee (Sylvensteinspeicher)
Langgestreckter Stausee im Isarwinkel, über den die B307 auf der 329 m langen Faller-Klamm-Brücke führt. Angelegt zum Hochwasserschutz an der Isar — der Blick von der Brücke auf Stausee und Berge ist ein fester Foto-Stopp auf der Alpenstraße.
Anfahrt
Direkt an der B307 südlich von Lenggries, Richtung Achenpass/Tirol.
Motorrad-Parken
Parkplätze am Staudamm und an den Uferzufahrten entlang der B307.
Öffnungszeiten
Frei zugänglich.
Kloster Ettal
Benediktinerabtei von 1330, gestiftet von Kaiser Ludwig dem Bayern; die barock-rokoko Basilika mit ihrer mächtigen Kuppel ist frei zugänglich. Klosterbrauerei und Destillerie (Klosterlikör) liegen direkt daneben.
Anfahrt
An der B23 zwischen Oberammergau und Garmisch-Partenkirchen, rund 10 km nördlich von Garmisch.
Motorrad-Parken
Besucherparkplätze im Ort Ettal direkt am Kloster.
Öffnungszeiten
Basilika als aktive Kirche tagsüber frei zugänglich.